Hochsensibilität

Die amerikanische Universitätsprofessorin Elaine Aron fand in den 1990er Jahren heraus, dass etwa 15 - 25 % der Bevölkerung hochsensibel sind. Die sogenannte HIGHLY SENSITIVE PERSON (HSP) erfasst mit ihrer äußerst sensiblen Wahrnehmung kleinste Details in ihrer Umgebung und setzt sich damit intensiv auseinander.

 

Prof. Aron geht davon aus, dass Hochsensibilität vererbt wird, aber nicht als Krankheit angesehen werden könne. Vielmehr handele es sich um "eine sensible Grunddisposition, auf der negative Einflüsse der Entwicklungsumwelt leichter ihre Wirkung entfalten können." (Sind Sie hochsensibel? Elaine N. Aron, mvg-Verlag). Und es betrifft Männer und Frauen gleichermaßen, weltweit.

 

Seit einiger Zeit wird in Fachkreisen über einen Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und der Thematik des alleingeborenen Zwillings (oder Mehrlings) diskutiert. Dabei geht es um den frühen Verlust eines Zwillings bei einer unbekannten Mehrlingsbefruchtung. Dies bedeutet für den überlebenden alleingeborenen Zwilling ein traumatisches Erlebnis, das sich in ungeahntem Maße in seiner Biographie auswirken kann. Dabei zeigen sich verblüffende Parallelen zur Hochsensibilität. Gegenwärtig wird dazu noch geforscht. Im Rahmen einer Familienaufstellung kann sich zeigen, ob man selbst ein alleingeborener Zwilling oder Mehrling ist. Damit kann ein erster heilsamer Schritt getan werden.

 

Es scheint so, als wären die Fragen nach den wahren Ursachen der Hochsensibilität noch nicht abschließend geklärt. Meist sind Hochsensible sich nicht im Klaren über ihre spezielle Veranlagung. Dabei ist zu betonen, dass es nicht den Hochsensiblen gibt; die einzelnen Wesensmerkmale können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein; nicht jede(r) muss beispielsweise lärmempfindlich sein. Dennoch berichtet ein Großteil der Hochsensiblen z.B. über

 

  • Meidung großer Menschenansammlungen
  • Beeinträchtigung des Wohlbefindens durch enge Kleidung, kratzende Pullis oder drückende Socken
  • Lärm- und Geruchsempfindlichkeit
  • Empfindlichkeit gegenüber optischen Reizen, z.B. grelles Licht oder rasch wechselnde Bilder
  • sich zurückziehen, um die innere und äußere Vielfalt an Eindrücken zu verarbeiten

 

Nach unzähligen Coachings mit hochsensiblen Klientinnen und Klienten habe ich festgestellt, dass es hilfreich sein kann, sich bei Schwierigkeiten im Berufsleben oder in der Partnerschaft professionelle Unterstützung zu holen. Im Rahmen eines Coachings oder mit therapeutischer Hilfe kann ein konstruktiver Umgang mit der eigenen Sensibilität erlernt werden. Es geht darum, sie als nützliche Gabe kennenzulernen, und sich selbst zu akzeptieren und zu lieben, wie man/frau ist.

 

Da sich viele Hochsensible im Laufe ihres Lebens immer wieder mit Nicht-Hochsensiblen vergleichen, können dysfunktionale Glaubensmuster entstehen, die sich hinderlich auf dem eigenen Lebensweg auswirken. Diese aufzuspüren und in positive, konstruktive umzuwandeln, ist oftmals Teil des Coachings.

 

Ein sich seiner Stärken bewusster Hochsensibler ist ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft. Viele sind sehr empathisch, haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und hohe ethische Ansprüche. Die meisten sind sehr gewissenhaft, zuverlässig und genau, bis hin zum Perfektionismus. Außerdem können Hochsensible komplexe Zusammenhänge blitzschnell erfassen; viele sind Visionäre und damit an entscheidenden Entwicklungen und Trends beteiligt. Hochsensible Vorgesetzte sind meist sehr fürsorglich gegenüber ihren Mitarbeitern.

 

Betroffene, die sich beim Thema Hochsensibilität erstmalig wiedererkennen, spüren große Erleichterung; viele fühlen sich zum ersten Mal in ihrem Leben richtig angenommen.

 

"Es ist niemals falsch, sich auf die Suche nach dem zu machen, was die Seele braucht. Niemals."

(Clarissa Pinkola Estés)

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