HSM - Hochsensible Menschen

Nicht wenige hochsensible Menschen haben eine Odyssee an Arbeitsplatzwechseln hinter sich oder den Versuch, mehrere unterschiedliche Karrieren/Berufsausbildungen zu starten. Manche satteln in der Lebensmitte - etwa zwischen 40 und 50 - noch einmal um und finden dadurch erst zu wahrer Zufriedenheit im Berufsleben.

 

Der Grund dafür mag darin bestehen, dass es für die meisten Hochsensiblen auf Dauer unerträglich ist, in einem belastenden Umfeld zu arbeiten. Auch gelingt es kaum, einer als sinnlos empfundenen Arbeit dauerhaft nachzugehen.

Was hat es mit dem Phänomen der Hochsensibilität auf sich?

 

Die amerikanische Universitätsprofessorin Elaine Aron fand in den 1990er Jahren heraus, dass etwa 15 - 25 Prozent der Bevölkerung hochsensibel sind. Die sogenannte HIGHLY SENSITIVE PERSON (HSP) nimmt mit ihrer äußerst sensiblen Wahrnehmung kleinste Details in ihrer Umgebung wahr und setzt sich damit intensiv auseinander.

 

Prof. Aron geht davon aus, dass Hochsensibilität vererbt wird, aber nicht als Krankheit angesehen werden könne. Vielmehr handele es sich um eine sensible Grunddisposition, auf der negative Einflüsse der Entwicklungs-umwelt leichter ihre Wirkung entfalten können.* Und es betrifft Männer und Frauen gleichermaßen, weltweit.

 

Seit einiger Zeit wird in Fachkreisen über einen Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und der Thematik des alleingeborenen Zwillings (oder Mehrlings) diskutiert. Dabei geht es um den frühen Verlust eines Zwillings bei einer unbekannten Mehrlingsbefruchtung. Dies bedeutet für den über-lebenden, alleingeborenen Zwilling ein traumatisches Erlebnis, das sich in ungeahntem Maße in seiner Biographie auswirken kann. Dabei zeigen sich verblüffende Parallelen zur Hochsensibilität. Gegenwärtig wird dazu noch geforscht. Im Rahmen einer Familienaufstellung kann sich zeigen, ob man selbst ein alleingeborener Zwilling oder Mehrling ist. Damit kann ein erster heilsamer Schritt getan werden.

 

Es scheint so, als wären die Fragen nach den wahren Ursachen der Hochsensibilität noch nicht abschließend geklärt. Meist sind Hochsensible sich nicht im Klaren über ihre spezielle Veranlagung. Dabei ist zu betonen, dass es nicht den Hochsensiblen gibt; die einzelnen Merkmale können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein und nicht jeder muss beispielsweise lärmempfindlich sein. Dennoch berichtet ein Großteil der Hochsensiblen z.B. über

 

  • Meidung großer Menschenansammlungen
  • Beeinträchtigung des Wohlbefindens durch enge Kleidung, kratzende Pullis oder drückende Socken
  • Lärm- und Geruchsempfindlichkeit
  • Empfindlichkeit gegenüber optischen Reizen, z.B. grelles Licht oder rasch wechselnde Bilder
  • sich zurück ziehen, um die innere und äußere Vielfalt an Eindrücken zu verarbeiten

 

Nach unzähligen Coachings mit hochsensiblen Klienten sowie meinen eigenen Erfahrungen habe ich festgestellt, dass es sehr hilfreich sein kann, sich bei Schwierigkeiten im (Berufs-)Leben professionelle Unterstützung zu holen, z.B. im Rahmen eines Coachings. Auch therapeutische Hilfe kann nützlich sein, wenn das Thema Hochsensibilität angemessen berücksichtigt wird. Es geht darum zu lernen, mit seiner Hochsensibilität gut umzugehen und sie als nützliche Kraft und Gabe anzusehen. Es geht darum, bei sich anzukommen und sich so zu lieben, wie man/frau ist.

 

Da viele Hochsensible sich im Laufe ihres Lebens immer wieder mit Nichthochsensiblen vergleichen, können dysfunktionale Glaubensmuster entstehen, die sich hinderlich auf dem eigenen Lebensweg auswirken. Diese aufzuspüren und zu neutralisieren ist oftmals auch Teil des Coachings.

 

Ein sich seiner Stärken bewusster Hochsensibler ist ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft. Viele sind sehr empathisch, haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und hohe ethische Ansprüche. Die meisten sind sehr gewissenhaft, zuverlässig und genau bis hin zum Perfektionismus. Ausserdem können Hochsensible komplexe Zusammen-hänge blitzschnell erfassen und sich im Team harmonisierend auswirken. Viele sind Visionäre und damit an entscheidenden Entwicklungen und Trends beteiligt.

 

Betroffene, die sich beim Thema Hochsensibilität erstmalig wieder erkennen, spüren große Erleichterung; viele fühlen sich zum ersten Mal in ihrem Leben richtig wahrgenommen.

 

Weiterführende Informationen zum Thema Hochsensibilität finden Sie beim:

*Informations- und Forschungsverbund Hochsensibilität e.V. (IFHS)

 

Der IFHS ist in Deutschland zentrale Anlaufstelle zum Thema Hochsensibilität und stellt auf seiner Website Informationen für Interessierte zur Verfügung. Außerdem Infos zu einschlägiger Literatur und regionale Kontaktadressen.

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Iris Helene Frankowiak

Systemischer Coach (DGSF)

Personalreferentin, Trainerin

 

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